www.realdemokratie.de Manfred
Julius Müller: Warum
sperrt sich die Politik so vehement gegen die Abkoppelung
vom globalen Dumpingsystem? Etwa
seit 1980 befindet sich Deutschland durch den Abbau von
Zöllen in einem gnadenlosen globalen Wettbewerb. Seit
dieser Zeit sinken trotz wachsender Produktivität die
realen (preisbereinigten) Nettolöhne
in Deutschland, weil das globale Lohn-, Sozial-, Öko-
und Steuerdumping nun einmal eine Wohlstandsmehrung nicht
zulässt. Warum
aber reagieren die Politiker nicht darauf, warum wird die
eigentliche Ursache für das absurde Paradoxem
(Kaufkraftverlust
bei steigender
Produktivität)
nicht angegangen, warum wird nicht einmal darüber
diskutiert? Der
beschwerliche Weg der Wahrheitsfindung 1.
Mangelnde wirtschaftliche
Kenntnisse 2.
Den souveränen Abgeordneten gibt es nicht mehr! 3.
Die Meinungsbildung der Expertengremien Nicht
einmal das Internet wird der freien Meinungsbildung
überlassen - auch hier tummeln sich bereits zahlreiche
vom Kapital finanzierte Websites und selbst über viele
fremde politische Foren wachen vom Kapital bezahlte
professionelle Journalisten. 4.
Die Einflussnahme der Kapitallobby prägt die
öffentliche Meinung! Es
ist verständlich, dass die öffentliche Meinung
auch die Fachexperten der Parteien beeinflusst, denn gegen
den Volkswillen bzw. gegen die Medienmeinung lässt sich
Politik kaum umsetzen. Die
große Schwierigkeit, eingetretene Pfade zu
verlassen Wegen
der oben aufgeführten Mechanismen bei der
Meinungsbildung ist es für die Fachexperten der
Parteien wirklich nicht einfach, zu einem neutralen und
fachlich fundiertem Urteil zu finden. Aber leider gibt es
noch eine zweite Hürde: Die Schwierigkeit, einen einmal
eingeschlagenen Irrweg zu beenden und über viele
Jahrzehnte geschürte Denkmuster und Vorurteile zu
überwinden. 1.
Angst vor den Konsequenzen 2.
Suche nach
Ersatzlösungen Parallel
hierzu werden die Uraltthemen aufgewärmt, man fordert
zum tausendsten Male eine bessere
Bildung,
mehr Forschung, Bürokratieabbau, Flexibilisierung (=
Verschlechterung) der Arbeitsbedingungen, Aufhebung des
Kündigungsschutzes, Senkung der Konzernsteuern und und
und. Begleitet
werden diese Notprogramme mit wohlfeilen Zurechtweisungen
und Belehrungen an die Bevölkerung ("uns geht es doch
allen gut", "jammern auf hohem Niveau", "der Aufschwung ist
da", "wir müssen um so vieles besser sein als wir
teurer sind" usw.). 3.
Selbstbetrug Auf
den Zollabbau übertragen heißt das, er
übernimmt die scheinheilgen Gegenargumente der
Globalisierungslobby und glaubt am Ende sogar selbst noch an
deren Richtigkeit. So funktioniert eben der typische
Selbstbetrug. Das ist bequem, man kann wieder ruhig schlafen
und erspart sich Ärger und Ungemach. Sollen sich doch
andere die Finger verbrennen, man selbst hat
schließlich sein Bestes getan. Aufgeschoben
ist nicht aufgehoben! Deshalb
wird man sich auch nicht ewig mit einer neoliberalen Politik
durchwursteln können - irgendwann muss man Farbe
bekennen und sich intensiv mit den unfairen Marktbedingungen
und den Billigimporten auseinandersetzten. Also
wird man eines Tages doch in den sauren Apfel beißen,
internationale Abkommen aufkündigen und wieder
höhere Zölle erheben müssen (um den
Totalausverkauf der Wirtschaft zu verhindern). Eine
praktikable Alternative zu einer Zoll-Renaissance bietet
lediglich die Lohnkostenreform
(Finanzierung der Sozialversicherungen über die
Mehrwertsteuer). Weiterführende
Abhandlungen dazu finden Sie in meinen Büchern.
Kommentar
zu diesem Artikel (Nr. 205) abgeben? Home
(Eingangsseite www.realdemokratie.de)
Manfred
Müller betreibt über 30 politische Websites, unter
anderem: www.anti-globalisierung.de,
www.neo-liberalismus.de,
www.kapitalismus-online.de,
www.umweltschutz-klimawandel.de,
www.weltwirtschaft-globalisierung.de,
www.globalisierung-welthandel.de,
www.das-kapital.eu Mediendemokratie
oder Mediendiktatur? Bundestagswahlen
als Feigenblatt der
Demokratie? Echte
Demokratie oder doch nur
Scheindemokratie? Die
große Angst vor
Volksenscheiden! Die
Pressefreiheit im Zeichen des
Neoliberalismus Wie
erklärt sich das kollektive Versagen der
Ökonomen? Der
Einfluss der Globalisierung auf die
Politik Jetzt
schon an die Bundestagswahl 2013
denken? Welches
Wahlprogramm hat Vorrang in der
Wirtschaftskrise? Wer
oder was ist soziale
Gerechtigkeit? Mutiert
das Bundesverfassungsgericht zum obersten
Wächterrat? Der
Europäische Gerichtshof als oberster
Zensor Warum
werden in einer Demokratie die Volksinteressen so wenig
geachtet? Warum
sperrt sich die Politik so strikt gegen die Abkoppelung vom
globalen Dumpingsystem? Wider
dem unredlichen Geist!
In einer globalen Welt werden die volkswirtschaftlichen
Zusammenhänge immer unübersichtlicher (auch dies
ist als Nachteil zu werten für die künstlich
erzeugte Globalisierung). Ich vermute, dass höchstens
ein Dutzend der über 600 Bundestagsabgeordneten
zumindest in groben Zügen die Mechanismen der
Weltwirtschaft verstehen und ihre Abläufe
nachvollziehen können.
Dabei möchte ich unseren Volksvertretern bestimmt nicht
mangelnde Intelligenz unterstellen oder ihnen den guten
Willen absprechen. Die Aufgabengebiete der
Bundestagsabgeordneten sind aber leider so umfangreich und
die Terminkalender dermaßen randvoll, dass nur den
wenigen Spezialisten Zeit bleibt für eine ausgiebige
Lagebeurteilung und Analyse.
Wegen
fehlender eigener Kenntnisse sind die MdB somit weitgehend
auf die Empfehlungen und Urteile ihrer Expertengremien
angewiesen. Das heißt im Normalfall: Die Parteispitze
entscheidet und die Abgeordneten ziehen mit. Eine
Gewissensentscheidung eines einzelnen MdB, wie sie im
Grundgesetz gefordert wird, kann in der Praxis kaum noch
stattfinden.
Es
kommt also alles darauf an, wie sich die Fachexperten einer
Partei ihre Meinung bilden. Und hier liegt leider auch
vieles im Argen.
Denn die mächtige Kapitallobby kennt diese
Schwachstelle, sie weiß, auf welche Politiker sie ihre
hochqualifizierten Fürsprecher ansetzen muss. Zur
Unterstützung dieses gesteuerten
Meinungsbildungsprozesses unterhält das
Großkapital nicht nur eigene "Institute", die
unentwegt kapitalfreundliche Studien fabrizieren, das
Kapital verfügt zudem auch noch über einen
direkten Zugang zu den privaten Medien (die befinden sich
schließlich zu über 99 % im Besitz des Kapitals).
So
ist es dann auch kein Wunder, wenn in der
Öffentlichkeit ständig die Gefahren der
Globalisierung und der EU verleugnet oder verniedlicht
werden. Man geht sogar so weit, einfach der Spieß
umzudrehen und Deutschland als größten
Nutznießer dieser fragwürdigen Kunstgebilde
(Globalisierung und EU) zu feiern. Untermauert werden die
heuchlerischen Thesen mit unseriösen Entstellungen.
Beispiel: "Wir sind doch Exportweltmeister".
Mehr
dazu...
Wenn nun tatsächlich das Expertengremium einer Partei
zu dem Schluss kommen würde, die durch den Zollabbau
ausgelöste Globalisierung sei für unser Land
ausgesprochen schädlich, wird man dies kaum jemals
offen eingestehen. Denn schließlich bildet Deutschland
das geografische Kernland der EU und es gibt
darüberhinaus eine Vielzahl internationaler
Handelsabkommen.
Da kann und will man natürlich nicht einfach die
Notbremse ziehen und den verhängnisvollen Zollabbau
wieder rückgängig machen.
Also versucht man, sich mit anderen Mitteln durchzumogeln
und die Folgen des Zollabbaus mit Ersatzreformen zu lindern.
So landet die Politik unversehens in
Kostensenkungsprogrammen bzw. im Neoliberalismus: also
Abkoppelung der Löhne von der Produktivität,
Einschränkung des Sozialstaates, Senkung der Renten,
Diskriminierung der Arbeitslosen (Hartz IV) usw.
Alle hart erarbeiteten Errungenschaften aus den Boomzeiten
vor der Globalisierung kommen auf den Prüfstand,
solange nur eine vage Hoffnung besteht, die Folgen des
Zollabbaus damit zu vermindern.
Die deutschen Lohnkosten sind, teilweise bedingt durch die
hohen Lebenshaltungskosten (weil wir auf protektionistisches
Währungsdumping verzichten) zwanzig Mal höher als
die chinesischen. Es wird doch wohl niemand ernsthaft
glauben, dass der deutsche Ingenieur oder Arbeiter
tatsächlich dem chinesischen Kollegen geistig oder
leistungsmäßig zwanzigfach überlegen sein
kann.
Was macht ein Mensch, der in Gewissensnöten steckt und
sich vor einer unangenehmen Aufgabe drücken
möchte? Richtig, er redet sich die Sache schön!
Auch Schopenhauer meinte schon: "Was dem Herzen widerstrebt,
lässt der Kopf nicht ein".
Dass unsere Volkswirtschaft auf Dauer niemals mit dem
weltweit grassierendem Lohn-, Sozial-, Öko- und
Lohndumping mithalten kann und unser vermeintlicher
technologischer Vorsprung immer weiter abschmilzt, kann
ernsthaft kaum bezweifelt werden.
Manfred
Julius Müller analysiert seit 30 Jahren
weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den
verschiedensten Themen. Er entwickelte neue
Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe
setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen
bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch
drei Bücher erschienen: "Die Kultivierung des
Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung. Zurück zur
Vernunft!", 2002, "Das
neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems",
2005. Müller ist Inhaber eines Versandhauses und
gewinnt von daher einen praxisnahen Einblick in die
Abartigkeiten des globalen
Verdrängungswettbewerbs.
Was
taugt eine Mediendemokratie, die vom Kapital finanziert und
gesteuert wird?
Kann die nächste Bundestagswahl für eine
politische Kursänderung sorgen? Was kann der
Wähler überhaupt beeinflussen?
Freie Wahlen sind schön und gut - doch was kommt
danach?
Müssen
bundesweite Volksentscheide sein oder genügt die
parlamentarische Demokratie?
Gibt
es in den westlichen Demokratien tatsächlich so etwas
wie eine echte Pressefreiheit? Oder werden auch hier
Tabuthemen umgangen und die Meinung reicher Verleger
gepflegt und bestätigt?
Wie
kann es sein, dass selbst Ökonomen unbeirrt am globalen
Dumpingsystem festhalten und sich nicht für eine
Wiederbelebung der Zollgrenzen einsetzen.
Welchen
Einfluss hat die Globalisierung auf die Politik. Sind
Regierungen Erfüllungsgehilfen des Kapitals?
Bundestagswahl
2013: Wer politisch etwas bewegen will, muss rechtzeitig
planen!
Können CDU, SPD, FDP, die Grünen oder die
Linkspartei mit ihren Wahlprogrammen
überzeugen?
Wer
wirklich soziale Gerechtigkeit will, muss unser Land vom
globalen Dumpingwettbewerb abkoppeln!
Gibt
es für das Bundesverfassungsgericht noch Grenzen? Hat
das Bundesverfassunggericht immer das letzte
Wort?
Muss
der Europäsche Gerichtshof wirklich noch das letzte
Wort haben - genügen die nationalen Instanzen
nicht?
Warum wird eine Politik verfolgt, die zum steten Absinken
der Reallöhne, Gehälter und Renten führt (bei
steigender Produktivität).
Gibt
es ein kollektives Versagen unserer Volksvertreter oder ist
der Niedergang Deutschlands unabwendbar?
Was
ist unsozial an der Mehrwertsteuer? Wie in unserer
parlamentarischen Demokratie überfällige Reformen
verhindert werden.