Sind Zölle und indirekte Steuern Teufelswerk?

 

Die Psychologie der Massen

Schon seit je gilt in der Demokratie der Grundsatz, man dürfe den Bürger geistig nicht überfordern. Die volkswirtschaftlichen Vorgänge seien einfach zu komplex, als das ein Laie sie ohne große Vorkenntnisse deuten und verstehen könne.

Auch wenn heute viele Politiker und Publizisten scheinheilig fordern, man müsse den Bürger mitnehmen und ihm die wichtigsten Zusammenhänge erklären, setzt man in der Praxis doch lieber auf dumpfe Propagandaparolen als auf eine sachliche Aufklärung. So täuscht man geschickt Erfolge vor, wo keine sind und wiederholt routinemäßig die bekannten Beschwichtigungsformeln.
Statt den innereuropäischen und globalen Lohndumpingwettbewerb abzubauen, werden Globalisierung, EU, Euro und unkontrollierte Zuwanderung als unabdingbar und wohlstandsfördernd verkauft.

Verheimlicht wird, dass trotz dieser angeblichen "positiven Faktoren" die inflationsbereinigten Nettolöhne und Renten nicht nur in Deutschland in den letzten 30 Jahren um ca. 20 % gesunken sind (obwohl sich die Produktivität im gleichen Zeitraum fast verdoppelt hat).

 

Tradition verpflichtet?

Noch immer klammern sich führende Sozialpolitiker in entscheidenden Grundsatzfragen krampfhaft an längst überholte Lehrsätze. So gelten zum Beispiel Konsumsteuern (Mehrwertsteuer) und Zölle nach wir vor als unsozial, weil sie angeblich die Kaufkraft der breiten Masse schmälern.
Als Beweise gelten die Erfolge, die man in der Kaiserzeit mit der Abschaffung der Konsumsteuer in einigen Kommunen erzielt hatte. Die betroffenen Grundnahrungsmittel hatten sich damals tatsächlich entsprechend der Steuersenkung verbilligt. Kompensiert wurden die Steuerausfälle über eine Anhebung der direkten Einkommensteuern.

Doch was damals funktionierte greift heute nicht mehr, weil sich die Verhältnisse völlig verkehrt haben.
Im Gegensatz zu früher wird heute der durchschnittliche Arbeitslohn mit über 50 % staatlichen Abgaben belastet. Eine Mehrwertsteuererhöhung würde die Absenkung der inländischen Lohnnebenkosten ermöglichen und somit der Konkurrenzfähigkeit der eigenen Volkswirtschaft verbessern.
Anders als im Kaiserreich führt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (Lohnkostenreform) also nicht mehr zur allgemeinen Verteuerung der Konsumartikel. Eine Mehrwertsteuererhöhung sorgt heute für eine gerechtere Lastenverteilung: Sie verbilligt die heimische Herstellung und baut im Gegenzug die Subventionierung der Importe entsprechend ab.
Auch das Ungleichgewicht
Arbeit und Kapital verringert sich dadurch (Arbeit wird fiskalisch weniger abgestraft, Kapital weniger subventioniert).

Wer nun meint, man könne doch nach dem damaligen Vorbild lustig weiter an der Steuerschraube im oberen Einkommensbereich drehen, der verkennt die heutigen Gegebenheiten:
1. Dass es einen internationalen Steuerwettbewerb gibt (ausgelöst durch den Zollabbau) und man die Eliten und Vermögenden nicht mit Gewalt im Lande halten kann
2. Dass sich die Abgabenquote der Besser- und Großverdiener seit Beginn des 20. Jahrhunderts vervielfacht hat.
3. Der Leistungswille mit jeder Einkommensteuererhöhung geschwächt wird. Warum sich mit einem langen und teuren Studium abplagen, unangenehme Führungsaufgaben übernehmen und hohe Verantwortungen tragen, wenn unterm Strich außer unbezahlten Überstunden kaum etwas dabei herauskommt?

 

Klassenkampf und ideologische Verbohrtheit

Aber welche Volksvertreter macht sich über volkswirtschaftliche Vorgänge heute noch eigene Gedanken? Ein Abgeordneter ist mit der Erledigung routinemäßiger Alltagsaufgaben und der Aufarbeitung spezieller Anliegen aus seinem Wahlkreis voll ausgelastet. Für eigene Überlegungen bezüglich der Grundsätze in der Wirtschaftspolitik bleibt da kaum noch Zeit.

Im Bundestag gibt es zwar viele gute Redner, aber es mangelt an echten Wirtschaftsexperten und es fehlen die großen Denker. Der Abgeordnete verlässt sich in der Regel auf ungeprüfte Expertisen, Statistiken und vor allem auf die Vorgaben seiner Partei, wobei der professionelle Lobbyismus zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Bei dieser Gemengelage scheint es fast unmöglich, alte Vorurteile und überholte Dogmen zu erkennen und abzubauen. So müssen wir leider davon ausgehen, dass Mehrwertsteuern und Zölle weiterhin zu Unrecht als unsozial und wirtschaftshemmend gebrandmarkt werden.

 

Überholte Lehrsätze aus der Kaiserzeit werden von unbedarften Sozialpolitikern heute immer noch verteidigt.

Hintergrund & Analyse:
Ist die AfD rechtspopulistisch? Missbrauchen die Medien den Kampfbegriff?
Ist der Begriff "Lügenpresse" berechtigt?
Trügerischer Wirtschaftsboom: Wann zerfällt das Kartenhaus aus Billiggeldschwemme, Nullzinspolitik und Währungsdumping?
Die Inflationierung und Vergewaltigung der Menschenrechte...
Wer sind die wahren Ewiggestrigen?
Der Rechtsstaat verkommt zur Lachnummer
Ist die CDU eine Partei der Mitte?
"Seit 1980 ist die Kaufkraft in Deutschland um 44 % gestiegen..." Soll das ein Witz sein?
Wie Demagogen die Öffentlichkeit manipulieren...
Wie ehrlich sind die Grünen
Wann kommt der Dexit? (der Ausstieg aus der EU)
Wie neutral ist "Der Spiegel"?

 

Home (Eingangsseite www.realdemokratie.de)
© Manfred Julius Müller, Flensburg
Initiative zur Förderung der politischen Bildung. Impressum

Die ideologische Verbohrtheit und Unaufrichtigkeit vieler Politiker ist Schuld an den Missständen unserer Zeit!
Jegliche berechtigte Kritik schon im Keim zu ersticken beschert die Zustände, unter denen Deutschland seit Jahrzehnten leidet (sinkende Reallöhne und Renten, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Massenarbeitslosigkeit, beruflicher Leistungsdruck, Zukunftsängste, Klimawandel usw.). Unsere "großzügigen" Gutmenschpolitiker sollten einsehen, dass sich die aufgestauten Probleme nicht über weitere Umverteilungsorgien lösen lassen. Der Sozialstaat muss finanzierbar bleiben.

Wir brauchen kein sich ständig übertrumpfendes Anspruchsdenken, sondern offene und ehrliche Auseinandersetzungen über die elementaren Grundsatzfragen:
Ist es klug, den Sozialstaat über den Faktor Arbeit zu finanzieren?
Ist die hochgelobte Ex- und Importabhängigkeit wirklich erstrebenswert?
Dient das künstlich erzwungene globale Lohn- und Steuerdumping dem Wohle der Menschheit?
Wie ehrlich sind Debatten über den Klimawandel, wenn deren Hauptursachen (Bevölkerungsexplosion, Zuwanderung und Warentourismus) unerwähnt bleiben? Eine Frage, die sich die laut demonstrierenden Umweltschützer auch einmal stellen sollten.
Gibt es eine Kollektivschuld? Muss die deutsche Bevölkerung bis in alle Ewigkeit für Hitlers Verbrechen büßen? Sind die Deutschen der Abschaum, sind sie Menschen 2. Klasse?
Interessiert es niemanden (ist es keiner Frage wert), warum das jährliche Produktivitätswachstum in Deutschland seit den 1960er Jahren von stolzen 6 % auf beschämende 0,6 % abgestürzt ist?
Sind EU und Weltwirtschaft nur noch über eine Billiggeldschwemme zu retten?

NEUERSCHEINUNG im Januar 2019
Kapitalismus, Zollfreihandel, Globalisierung:
DAS KONTRABUCH
Wie funktioniert die grenzenlose Ausbeutung?
Und was müssten unbestechliche Politiker dagegen tun?
Autor Manfred Julius Müller, 100 Seiten, Format 17x22 cm, 8,90 Euro
Weitere Infos zum Buch. Bestellung zum Beispiel über www.amazon.de.

Was bietet uns die Zukunft, was kommt auf uns zu? Wie wird/muss sich unser Land und die Welt ändern? Wie befreit sich ein Staat/Volk aus dem Teufelskreis der globalen Abhängigkeiten und des ewigen Leistungsdrucks?
Mit nur wenigen, behutsam durchgeführten Veränderungen ließen sich umwälzende Reformen einleiten. Man muss es nur wollen! Beziehungsweise unsere „unabhängigen" Volksvertreter müssen die kleinen Drehs an den entscheidenden Stellschrauben zulassen.


Manfred Julius Müller analysiert seit über 30 Jahren weltwirtschaftliche Abläufe. Er ist Autor verschiedener Bücher zu den Themenkomplexen Globalisierung, Kapitalismus und Politik. Manche Texte von Manfred Julius Müller fanden auch Einzug in Schulbücher oder werden zur Lehrerausbildung herangezogen.
Die Texte & Bücher von Manfred J. Müller sind überparteilich & unabhängig! Sie werden nicht, wie es leider sehr häufig der Fall ist, von staatlichen Institutionen, Global Playern, Konzernen, Verbänden, Parteien, Gewerkschaften, der EU- oder der Kapitallobby gesponsert!